Kunstraub in Groß Tessin

Gestern erreichte uns eine Nachricht vom Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Groß Tessin. Aus der Kirche wurde ein Bild gestohlen, das dort seit 1812 hing. Die Befreiungskriege gegen Napoleon und zwei Weltkriege hat es dort besser überstanden als die letzten Tage, in denen jemand offensichtlich der Meinung war, dass das Bild gut zur eigenen Einrichtung passen oder viel Geld einbringen würde.

Viel Geld wird es auf jeden Fall nicht bringen. Über die Einrichtung des Diebs können wir leider keine Auskunft geben. Dafür wurde aber erreicht, dass die Kirche von nun an die meiste Zeit verschlossen bleiben wird.

Hier die Nachricht von Daniel Brandt vom Förderverein im Wortlaut:


Diebstähle in Kirchen sind hierzulande leider keine Seltenheit. Jetzt hat es auch uns in Groß Tessin erwischt! Unbekannte haben das Gemälde „Anbetung der Hirten“ aus der Kirche geraubt. Seit 1812 hing es dort. Es ist also in einer Zeit noch kurz vor den Befreiungskriegen gemalt worden. In diesen 200 Jahren haben sich also mehr als zehn Generationen daran erfreut. 

Durch den Ruß der Kerzen in dieser Zeit war die Deckschicht inzwischen stark verdunkelt. Darunter verbarg sich aber ein farbenfrohes und lebendiges Bild. Eine Restaurierung von Bild und Rahmen wäre gut möglich gewesen. Die Restauratorin Annette Seiffert aus Wismar hatte sich im letzten Jahr bereits eingehend damit beschäftigt und bei der Mitgliederversammlung am 22.03.25 wollte ich einiges dazu sagen. Die Folien zu dem Vortrag waren bereits fertig und nun dieser Schock!

Warum jemand das Bild gestohlen hat, ist mir völlig unklar. Aufgrund des Zustands ist der materielle Wert sicher zu vernachlässigen und dürfte auf Flohmarktniveau oder knapp darüber liegen. Die Kosten einer Restaurierung überstiegen den materiellen Wert um ein Vielfaches. Der Kunstmarkt dürfte sich daher für unser Bild nicht interessieren.

Für die Groß Tessiner hatte es aber, wie oben beschrieben, einen nicht hoch genug anzusetzenden ideellen Wert. Es war eben ein festes Ausstattungsstück und Schmuck der Kirche. Dort gehörte es hin und dort gehört es auch wieder hin!

Es hat in den letzten Jahren auch in unserer Gegend schon Fälle gegeben, bei denen irgendwann die Diebe ein schlechtes Gewissen bekommen hatten und geraubte Stücke anonym wieder zurückgegeben worden sind, in Wismar zum Beispiel ein Wetterhahn und ein mittelalterlicher Opferstock.

Vielleicht geschieht ja noch ein kleines Wunder und unser Gemälde taucht wieder auf. Daher teilen Sie bitte die Information darüber, dass wir alle bestohlen worden sind. Vielleicht dringt diese so auch bis zum Dieb vor und er lässt sich erweichen.

Ein weiterer trauriger Effekt dieser Tat ist, dass unsere Groß Tessiner Kirche nun nicht mehr offen stehen kann. Das Angebot der offenen Kirche ist laut Auskunft des vormaligen Küsters Lothar Kröppelin gerade in den warmen Monaten stark genutzt worden. Viele Menschen hatten den Weg in die Kirche gefunden, kamen dort zu innerer Einkehr oder informierten sich anhand der Fleyer über die Geschichte der Kirche. Jetzt können sie nur noch darum herumlaufen. Auch die Touristen müssen nun also durch diese Tat leiden.


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